Anwenden von Cross-Docking

Objective

After completing this lesson, you will be able to verwenden Sie Cross-Docking.

Cross-Docking-Grundlagen

Mit Cross-Docking können Sie Ihre Kosten für den Lagerbestand und Transport reduzieren und die Bewegungen in Ihrem Lager optimieren. Außerdem können Sie die Lieferzeiten verkürzen.

Cross-Docking erfordert lediglich eine Bewegung im Lager: von der Wareneingangs- in die Warenausgangszone.

Cross-Docking-Prozess: Waren von mehreren Lieferanten werden empfangen, sortiert und direkt an Kunden geliefert, wodurch die Lagerung minimiert und die Verteilung beschleunigt wird.

SAP unterscheidet zwischen geplantem und opportunistischem Cross-Docking. Fünf Formen des Cross-Docking stehen zur Verfügung:

  • Transport-Cross-Docking

  • Warenverteilung

  • Push-Deployment

  • Kommissionieren vom Wareneingang (PFGR)

  • Von EWM angestoßenes opportunistisches Cross-Docking

Übersicht über Cross-Docking-Szenarios in SAP EWM mit geplanten und opportunistischen Typen mit Subtypen wie Transport, Ware, Push-Deployment und Kommissionierung vom Eingang.

Geplantes Cross-Docking

Sie entscheiden, ob Cross-Docking eingesetzt werden soll, bevor die Produkte im Lager ankommen und bevor Sie die Auslieferung freigeben.

Transport-Cross-Docking

Beim Transport-Cross-Docking (TCD) wird ein Warenempfänger nicht direkt aus dem liefernden Lager mit Waren beliefert. Stattdessen werden die bestellten Waren (mit anderen eingekauften Waren) in ein Zwischenlager, dem Cross-Docking-Lager, gebracht.

Dies bietet sich an, wenn Sie über mehrere Lager in Ihrem Unternehmen verfügen, die sich auf vordefinierten Routen befinden und regelmäßig beliefert werden. Der direkte Transport der Auslieferung zum Warenempfänger könnte unter Umständen weniger geeignet sein. Möglicherweise ist es sinnvoller, einen Standardtransport von einem Lager zu einem anderen zu verwenden und dann den Kundenauftrag aus dem Zwischenlager abzuwickeln. Wenn der Lkw im Cross-Docking-Lager (Zwischenlager) ankommt und entladen wird, kann die HU für den Warenempfänger in den WA-Bereich weitergeleitet werden. Wenn die Positionen in einer konsolidierten HU verpackt wurden, können Sie die HU über die prozessorientierte Lagerungssteuerung an den Dekonsolidierungsarbeitsplatz bewegen, wo sie ent- und erneut verpackt werden. Vom Dekonsolidierungsarbeitsplatz bewegen Sie die HU für die Auslieferung in den WA-Bereich, und die andere HU lagern Sie ein.

Cross-Docking-Routen

Die Entscheidung, das Transport-Cross-Docking zu verwenden, wird während der Routenfindung für den Auslieferungsauftrag in SAP EWM getroffen. Für dieses Szenario sind spezielle Cross-Docking-Routen erforderlich. Diese unterscheiden sich von linearen Routen, die die direkte Route vom Lieferwerk zum Warenempfänger darstellen. Cross-Docking-Routen werden für einen bestimmten Standort angelegt. Zwei lineare Routen (ein- und ausgehende Route) werden der Cross-Docking-Route zugewiesen.

Infolgedessen werden zwei Lieferungen angelegt: eine Anlieferung in das Cross-Docking-Lager und eine Auslieferung vom Cross-Docking-Lager an den Kunden (den endgültigen Warenempfänger). Beide Lieferungen werden einer Transport-Cross-Docking-Vorgangsnummer zugewiesen. Diese Lieferungen werden an ERP übertragen. Für die entsprechenden Waren erfolgt eine Umbuchung vom ausliefernden Lagerort zu einem TCD-Lagerort. Die Waren sind Eigentum des ausliefernden Werkes, bis der Warenausgang für die Auslieferung an den endgültigen Warenempfänger gebucht wird.

Eine Variante des TCD ist das lieferantenseitige Cross-Docking. In diesem Fall sendet der Lieferant die erworbenen Waren an mindestens ein Cross-Docking-Lager (statt die Waren direkt an das empfangende Lager zu senden). Ziel hierbei ist die Transportoptimierung, also die Zusammenfassung von mehreren Lieferungen in einem Transport. Voraussetzung ist, dass Sie ein BAdI entwickeln und verwenden.

Warenverteilung

Bei der Warenverteilung können Sie den Warenfluss von einem Lieferanten bis zu einem Empfänger planen und steuern. Die Waren können ein oder mehrere Distributionszentren durchlaufen. Der Empfänger ist zum Zeitpunkt der Beschaffung bekannt. Die Warenverteilung wird entweder mithilfe einer Zuordnungstabelle (Push) oder einer Sammelbestellung (Pull) geplant. Wenn die Waren ein Distributionszentrum durchlaufen, sind drei Verarbeitungsmethoden verfügbar:

  • Cross-Docking
  • Flow-Through
  • Einlagerung

Hinweis

Für die Verwendung der Warenverteilung mit einem dezentralen EWM gelten auf ERP-Seite folgende Voraussetzungen: SAP ERP 6.0 mit Enhancement Package 4, Business Function Retail CD/FT_EWM Integration und SAP-Retail-Lösung.

Warenverteilungs-Cross-Docking

Der Prozess beginnt in ERP. Auf der Basis von Kundenaufträgen oder Umlagerungsbestellungen legen Sie Sammelbestellungen oder Umlagerungsbestellungen an. Kundenaufträge oder Bestellungen werden mithilfe einer Zuordnungstabelle angelegt. In beiden Fällen werden die Warenverteilungsdaten aktualisiert. ERP legt die Anlieferung und die (geplanten) Auslieferungen an und überträgt sie an SAP EWM.

Nach dem physischen Eingang im WE-Bereich werden die Waren direkt an den WA-Bereich weitergeleitet, und der Warenausgang wird gebucht.

Wenn die eingehenden Waren in einer HU verpackt sind, können Sie die prozessorientierte Lagerungssteuerung für die internen Bewegungen verwenden. Warenverteilungs-Cross-Docking ist nur möglich, wenn die gelieferten Waren direkt an den Warenempfänger weitergeleitet werden.

Warenverteilungs-Flow-Through

Wenn die eingehende HU verschiedene Produkte enthält und die vollständige HU nicht an den endgültigen Warenempfänger gesendet werden kann, müssen Sie die Waren an einen Cross-Docking-Lagertyp übertragen, der dann als Umpackbereich dient. Für das Umpacken kann der Empfänger oder das Produkt ausschlaggebend sein.

Abnehmerorientiertes Flow-Through

Nach der Wareneingangsbuchung und vor dem Anlegen der Kommissionierlageraufgabe wird die „Mengenanpassung für die Auslieferungsaufträge" ausgeführt. (Der Menüpfad hierzu lautet: EWMLieferabwicklungAnlieferungWarenverteilung: Flow-Through Mengenanpassung pflegen).

Die eingegangene HU wird in den Cross-Docking-Lagertyp bewegt. Hier wird sie entpackt und in kundenspezifische Kommissionier-HUs umgepackt. Beim abnehmerorientierten Flow-Through entnimmt der Kommissionierer eine kundenspezifische Kommissionier-HU und verpackt die erforderlichen Produkte in die Kommissionier-HU. Pro Warenempfänger wird ein Lagerauftrag angelegt, um die entsprechende Kommissionier-HU in den WA-Bereich zu übertragen.

Produktorientierter Flow-Through

Der Unterschied beim produktorientierten Flow-Through liegt in der Art und Weise, wie die Kommissionier-HU verpackt wird. Beim produktorientierten Flow-Through bereitet der Kommissionierer im Vorhinein produktspezifische HUs vor und sendet die Produkte der einzelnen gelieferten HUs an die produktspezifische Handling Unit. Zum Abschluss des Prozessschritts für die HU wird eine Lageraufgabe für die Übertragung der Kommissionier-HUs in den WA-Bereich angelegt.

Opportunistisches Cross-Docking

Nach der Wareneingangsbuchung oder nach der Auslieferungsfreigabe wird über den Einsatz von Cross-Docking entschieden. Es stehen drei Methoden des opportunistischen Cross-Docking zur Verfügung:

  • Von EWM angestoßenes opportunistisches Cross-Docking

  • Kommissionieren vom Wareneingang (PFGR)

  • Push-Deployment (PD)

Opportunistisches Cross-Docking, das EWM anstößt

Dies ist die einzige Cross-Docking-Methode, bei der keine weitere Anwendung oder kein weiteres System (wie ERP, APO oder CRM) für den Einsatz von Cross-Docking erforderlich ist. Diese Methode wird vom Produkt selbst gesteuert. Sie verwendet Produktgruppen und Produktgruppenarten, die den Produktstammdaten zugeordnet sind. Außerdem muss ein BAdI aktiviert werden, welches das Cross-Docking für An- und Auslieferungen steuert.

Beim Anlegen der Einlagerungslageraufgabe sucht SAP EWM nach einer entsprechenden Position in den Auslieferungsaufträgen. Wenn das angeforderte Produkt, die Charge und die Menge passen, können vorhandene Kommissionierlageraufgaben gelöscht werden. Sind keine Lageraufgaben vorhanden, legt SAP EWM neue Cross-Docking-Lageraufgaben an. Eingehende Waren werden nicht eingelagert, sondern direkt in den WA-Bereich gebracht. Wenn die gelieferte Menge größer ist als die angeforderte Menge, wird die verbleibende Menge eingelagert.

Der Prozess funktioniert auch anders herum: Beim Anlegen der Kommissionierlageraufgaben prüft das jeweilige BAdI, ob der WE-Bereich Bestand enthält, der anstelle von eingelagertem Bestand verwendet werden kann.

Hinweis

Für das opportunistische Cross-Docking, das EWM anstößt, gelten Voraussetzungen: Sie müssen folgende Business Add-Ins (BAdIs) implementieren:

  • /SCWM/EX_CD_OPP_INBOUND (Aktivieren und Anpassen des Cross-Docking-Prozesses, der von der Anlieferung ausgelöst wird)
  • /SCWM/EX_CD_OPP_OUTBOUND (Aktivieren und Anpassen des Cross-Docking-Prozesses, der von der Auslieferung ausgelöst wird)

Für beide BAdIs ist eine Musterimplementierung verfügbar.

Push-Deployment (PD) und Kommissionieren vom Wareneingang (PFGR)

PD wird für prognostizierte Bedarfe an anderen Standorten verwendet. PFGR wird für überfällige Kundenaufträge und überfällige Umlagerungsbestellungen verwendet. Die Verwendung wird durch die Customizing-Einstellung zur Einlagerungsverzögerung gesteuert. In dieser Einstellung definieren Sie für jede Lagerprozessart und zugeordnete Bestandsart eine Wartezeit. Diese Wartezeit ist für die Verzögerung der automatischen Erstellung von Lageraufgaben vorgesehen.

Der Prozess beginnt mit Standardanlieferungen und einem standardmäßigen Wareneingangsprozess. SAP EWM prüft, ob die Lagerprozessart und die Bestandsart für die Einlagerungsverzögerung relevant sind. Die Wareneingangsbuchung wird an SAP ERP und SAP APO übertragen. Während die Erstellung der Einlagerungslageraufgaben um die definierte Zeit (Wartezeit für Einlagerungsverzögerung) verzögert wird, prüft SAP APO, ob prognostizierte Bedarfe an anderen Standorten oder überfällige Kundenaufträge oder überfällige Umlagerungsbestellungen vorhanden sind. Falls vorhanden, stößt SAP APO eine in ERP angelegte Auslieferung für die jeweiligen Bedarfe oder Aufträge an und überträgt diese Auslieferungen an SAP EWM. Nachdem die Wartezeit für die Einlagerungsverzögerung abgelaufen ist, werden Einlagerungslageraufgaben angelegt. Da in diesem Fall Auslieferungen für Cross-Docking vorhanden sind, werden die Waren direkt in den WA-Bereich gebracht.

Wenn Sie während der Wartezeit manuell Lageraufgaben für die Einlagerung anlegen, gibt das System eine Warnmeldung aus. Wenn Sie die Meldung ignorieren, übersteuern Sie dadurch den Cross-Docking-Prozess.

Push-Deployment und PFGR können Sie nur in einer integrierten Umgebung von SAP ERP, SAP APO, SAP CRM und SAP EWM verwenden.