Sie entscheiden, ob Cross-Docking eingesetzt werden soll, bevor die Produkte im Lager ankommen und bevor Sie die Auslieferung freigeben.
Transport-Cross-Docking
Beim Transport-Cross-Docking (TCD) wird ein Warenempfänger nicht direkt aus dem liefernden Lager mit Waren beliefert. Stattdessen werden die bestellten Waren (mit anderen eingekauften Waren) in ein Zwischenlager, dem Cross-Docking-Lager, gebracht.
Dies bietet sich an, wenn Sie über mehrere Lager in Ihrem Unternehmen verfügen, die sich auf vordefinierten Routen befinden und regelmäßig beliefert werden. Der direkte Transport der Auslieferung zum Warenempfänger könnte unter Umständen weniger geeignet sein. Möglicherweise ist es sinnvoller, einen Standardtransport von einem Lager zu einem anderen zu verwenden und dann den Kundenauftrag aus dem Zwischenlager abzuwickeln. Wenn der Lkw im Cross-Docking-Lager (Zwischenlager) ankommt und entladen wird, kann die HU für den Warenempfänger in den WA-Bereich weitergeleitet werden. Wenn die Positionen in einer konsolidierten HU verpackt wurden, können Sie die HU über die prozessorientierte Lagerungssteuerung an den Dekonsolidierungsarbeitsplatz bewegen, wo sie ent- und erneut verpackt werden. Vom Dekonsolidierungsarbeitsplatz bewegen Sie die HU für die Auslieferung in den WA-Bereich, und die andere HU lagern Sie ein.
Cross-Docking-Routen
Die Entscheidung, das Transport-Cross-Docking zu verwenden, wird während der Routenfindung für den Auslieferungsauftrag in SAP EWM getroffen. Für dieses Szenario sind spezielle Cross-Docking-Routen erforderlich. Diese unterscheiden sich von linearen Routen, die die direkte Route vom Lieferwerk zum Warenempfänger darstellen. Cross-Docking-Routen werden für einen bestimmten Standort angelegt. Zwei lineare Routen (ein- und ausgehende Route) werden der Cross-Docking-Route zugewiesen.
Infolgedessen werden zwei Lieferungen angelegt: eine Anlieferung in das Cross-Docking-Lager und eine Auslieferung vom Cross-Docking-Lager an den Kunden (den endgültigen Warenempfänger). Beide Lieferungen werden einer Transport-Cross-Docking-Vorgangsnummer zugewiesen. Diese Lieferungen werden an ERP übertragen. Für die entsprechenden Waren erfolgt eine Umbuchung vom ausliefernden Lagerort zu einem TCD-Lagerort. Die Waren sind Eigentum des ausliefernden Werkes, bis der Warenausgang für die Auslieferung an den endgültigen Warenempfänger gebucht wird.
Eine Variante des TCD ist das lieferantenseitige Cross-Docking. In diesem Fall sendet der Lieferant die erworbenen Waren an mindestens ein Cross-Docking-Lager (statt die Waren direkt an das empfangende Lager zu senden). Ziel hierbei ist die Transportoptimierung, also die Zusammenfassung von mehreren Lieferungen in einem Transport. Voraussetzung ist, dass Sie ein BAdI entwickeln und verwenden.
Warenverteilung
Bei der Warenverteilung können Sie den Warenfluss von einem Lieferanten bis zu einem Empfänger planen und steuern. Die Waren können ein oder mehrere Distributionszentren durchlaufen. Der Empfänger ist zum Zeitpunkt der Beschaffung bekannt. Die Warenverteilung wird entweder mithilfe einer Zuordnungstabelle (Push) oder einer Sammelbestellung (Pull) geplant. Wenn die Waren ein Distributionszentrum durchlaufen, sind drei Verarbeitungsmethoden verfügbar:
- Cross-Docking
- Flow-Through
- Einlagerung
Hinweis
Für die Verwendung der Warenverteilung mit einem dezentralen EWM gelten auf ERP-Seite folgende Voraussetzungen: SAP ERP 6.0 mit Enhancement Package 4, Business Function Retail CD/FT_EWM Integration und SAP-Retail-Lösung.
Warenverteilungs-Cross-Docking
Der Prozess beginnt in ERP. Auf der Basis von Kundenaufträgen oder Umlagerungsbestellungen legen Sie Sammelbestellungen oder Umlagerungsbestellungen an. Kundenaufträge oder Bestellungen werden mithilfe einer Zuordnungstabelle angelegt. In beiden Fällen werden die Warenverteilungsdaten aktualisiert. ERP legt die Anlieferung und die (geplanten) Auslieferungen an und überträgt sie an SAP EWM.
Nach dem physischen Eingang im WE-Bereich werden die Waren direkt an den WA-Bereich weitergeleitet, und der Warenausgang wird gebucht.
Wenn die eingehenden Waren in einer HU verpackt sind, können Sie die prozessorientierte Lagerungssteuerung für die internen Bewegungen verwenden. Warenverteilungs-Cross-Docking ist nur möglich, wenn die gelieferten Waren direkt an den Warenempfänger weitergeleitet werden.
Warenverteilungs-Flow-Through
Wenn die eingehende HU verschiedene Produkte enthält und die vollständige HU nicht an den endgültigen Warenempfänger gesendet werden kann, müssen Sie die Waren an einen Cross-Docking-Lagertyp übertragen, der dann als Umpackbereich dient. Für das Umpacken kann der Empfänger oder das Produkt ausschlaggebend sein.
Abnehmerorientiertes Flow-Through
Nach der Wareneingangsbuchung und vor dem Anlegen der Kommissionierlageraufgabe wird die „Mengenanpassung für die Auslieferungsaufträge" ausgeführt. (Der Menüpfad hierzu lautet: EWM→Lieferabwicklung→Anlieferung→Warenverteilung: Flow-Through Mengenanpassung pflegen).
Die eingegangene HU wird in den Cross-Docking-Lagertyp bewegt. Hier wird sie entpackt und in kundenspezifische Kommissionier-HUs umgepackt. Beim abnehmerorientierten Flow-Through entnimmt der Kommissionierer eine kundenspezifische Kommissionier-HU und verpackt die erforderlichen Produkte in die Kommissionier-HU. Pro Warenempfänger wird ein Lagerauftrag angelegt, um die entsprechende Kommissionier-HU in den WA-Bereich zu übertragen.
Produktorientierter Flow-Through
Der Unterschied beim produktorientierten Flow-Through liegt in der Art und Weise, wie die Kommissionier-HU verpackt wird. Beim produktorientierten Flow-Through bereitet der Kommissionierer im Vorhinein produktspezifische HUs vor und sendet die Produkte der einzelnen gelieferten HUs an die produktspezifische Handling Unit. Zum Abschluss des Prozessschritts für die HU wird eine Lageraufgabe für die Übertragung der Kommissionier-HUs in den WA-Bereich angelegt.