Produkte in einem Lager können für unterschiedliche Zwecke verwendet werden, z.B. für:
- Verkauf an Kunden. Kundenaufträge und Lieferungen werden angelegt, und die Waren für diese Lieferungen werden aus dem Lager entnommen.
- Verwendung in Produktionsprozessen, um höherwertige Produkte für den Verkauf herzustellen.

Produktionsauftrag
Der Produktionsprozess, der in ERP erfolgt, basiert auf einem Fertigungsauftrag. In der chargenorientierten Prozessfertigung wird dieser Auftrag „Prozessauftrag" genannt. Im Produktionsauftrag ist Folgendes angegeben:
- Was produziert wird
- Wann die Produktion erfolgt
- Von welchen Ressourcen der Auftrag bearbeitet wird
- Wie hoch die Kosten der Produktion sind
Wenn Sie einen Produktionsauftrag anlegen, müssen Sie die für die Produktion benötigten Komponenten angeben. Diese Komponenten werden in der Stückliste oder in einem Planungsrezept aufgeführt. Beides ist in den Stammdaten der Produktion definiert. Wenn für das zu produzierende Produkt eine Stückliste oder ein Planungsrezept vorhanden ist, wird diese/dieses beim Anlegen eines Produktionsauftrags aufgelöst, es wird z.B. die Menge jeder Position der Stückliste berechnet.
Lieferungsbasierte oder erweiterte Produktionsintegration
In SAP EWM sind zwei Modelle für die Produktionsintegration verfügbar: ein lieferungsbasiertes Modell (bei dem Lieferungen als Informationen zu Bedarfen und Warenausgängen von ERP an SAP EWM übermittelt werden) und ein erweitertes Produktionsintegrationsmodell (das nicht mit Lieferungen arbeitet). Beide Modelle haben bestimmte Funktionen und das verwendete Modell ist abhängig von den Anforderungen des Kunden.
Informationen zu einem Vergleich der Integrationsszenarien finden Sie im SAP-Hinweis 2352810 – FAQ: Verwendung der PMA - Unterschiede zwischen PMA und Lieferungen.
Vergleich der lieferungsbasierten und erweiterten Produktionsintegration
Die zwei Modelle für die Produktionsintegration verwenden unterschiedliche Funktionen, sodass sie für verschiedene Fertigungsprozesse geeignet sind:
| Lieferungsbasierte Produktionsintegration | Erweiterte Produktionsintegration | |
|---|---|---|
| Integration mit ERP | Lieferungen Separate Belege für Bereitstellung und Verbrauch | Produktionsmaterialanforderung Ein Beleg für Bereitstellung und Verbrauch |
| Typisches Szenario | Maschinenbau | Konsumgüter oder Prozessindustrie |
| Unterstützte Prozesse | Fertigungsaufträge Prozessaufträge Kanban Serienfertigung | Fertigungsaufträge Prozessaufträge |
Kanban und JIT-Abrufe in eingebettetem EWM
In einer dezentralen EWM-Einstellung erfolgt die Produktionsversorgung für Kanban über die lieferungsbasierte Produktionsintegration. Bei eingebettetem EWM-Kanban können Lageraufgaben direkt in EWM angelegt werden. Eine Lieferung ist nicht erforderlich.

Seit dem Release SAP S/4HANA 2023 ist eine neue Nachschubstrategie („9 – Umlagerung mit Lageraufgaben (dezentrales EWM)") für ein dezentrales Deployment verfügbar. Dies setzt voraus, dass der Kanbanregelkreis im dezentralen EWM-System eingerichtet ist und dass auch der gesamte Kanbanprozess in diesem System läuft.
Just-In-Time (JIT) ist ein Logistikkonzept, bei dem Material genau zu dem Zeitpunkt bereitgestellt wird, zu dem es im Produktionsprozess benötigt wird. Dieses Konzept ist in der Automobilbranche weit verbreitet. Vom Produktionsversorgungsbereich wird ein JIT-Abruf an das Lager, den externen Lieferanten oder die interne Produktion gesendet, um Nachschub für Materialien anzufordern. Bei eingebettetem EWM legt ein relevanter JIT-Abruf synchron eine EWM-Umlagerung an.

Produktionsversorgungsbereiche
Um Produkte für einen Produktionsauftrag bereitzustellen, muss ein Lager die Lokation kennen, an die die Produkte gehen müssen.
Der Produktionsversorgungsbereich (PVB) ist ein Bereich in der Produktion oder im Lager, in dem Produkte bereitgestellt oder aus dem sie entnommen werden. Wenn Sie mit SAP EWM arbeiten, sind Produktionsversorgungsbereiche in ERP und in SAP EWM definiert. Diese werden einander dann zugeordnet.
PVBs können in SAP EWM manuell angelegt oder aus ERP repliziert werden. Wenn sie aus ERP repliziert werden, wird gleichzeitig die Zuordnung vorgenommen. Wenn die PVBs in SAP EWM manuell erstellt werden, müssen sie manuell auch den entsprechenden PVBs in ERP zugeordnet werden.
Bei SAP S/4HANA mit eingebettetem EWM, wird ein für EWM relevanter PVB automatisch in EWM repliziert.
Bereitstellungsmethoden
Bei der Bereitstellung der Produkte für einen Fertigungsauftrag oder einen Prozessauftrag werden die Produkte in den Produktionsversorgungsbereich (PVB) transportiert. Auf ERP-Seite muss zwischen der lieferungsbasierten und der erweiterten Produktionsintegration unterschieden werden. Aber auch in der lieferungsbasierten Produktion können Integrationsprodukte unterschiedlich bereitgestellt werden, je nachdem, welche Art von Materialien Sie haben und wie sie in verschiedenen Produktionsaufträgen verwendet werden können. Die Bereitstellungsmethode beschreibt diese unterschiedlichen Arten. Die folgenden Bereitstellungsmethoden stehen zur Verfügung:
| Bereitstellungsmethode | Definition |
|---|---|
| Kommissionierteile | Die Materialien werden entsprechend der im Fertigungsauftrag festgelegten benötigten Menge kommissioniert. |
| Abrufteile | Die Bereitstellungsmenge für Abrufteile basiert auf den Bedarfen mehrerer Fertigungsaufträge (nicht auf einzelnen Aufträgen wie bei Kommissionierteilen) und den Bestandsmengen in den eingeplanten Produktionsversorgungsbereichen. |
| Kistenteile | Ein Kistenteil ist ein Material, das unabhängig von Produktionsaufträgen bereitgestellt wird. Das Material wird laufend verwendet. Es wird normalerweise in einer Kiste oder einem anderen Standardbehälter gelagert. Kanban ist eine besondere Methode für die Verwaltung von Kistenteilen. |
| EWM-Bereitstellung | Diese Materialien werden direkt in SAP EWM mithilfe einer Produktionsmaterialanforderung bereitgestellt. Ob ein Material über die auftragsspezifische Bereitstellung (ähnlich einem Kommissionierteil) oder die auftragsübergreifende Bereitstellung (ähnlich einem Abrufteil) bereitgestellt wird, wird in SAP EWM zugewiesen. |
Für die Definition der Bereitstellungsmethode pflegen Sie Regelkreise in ERP. Für weitere Details (insbesondere für Kommissionierteile und für die Bereitstellung in SAP EWM) und die Zuordnung des Lagerplatzes für die Bereitstellung müssen Sie auch einen Regelkreis in SAP EWM pflegen.
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