Steuern des Materialflusssystems (MFS)

Objective

After completing this lesson, you will be able to beschreiben Sie das Materialflusssystem (MFS).

Grundlagen des MFS

Während SAP EWM hauptsächlich die Strategie- und Planungsfunktionen im Lager automatisiert, werden im Materialflusssystem (MFS) die physischen Bewegungen verwaltet und gesteuert. Neben der vollständigen Integration liegt der Vorteil des Materialflusssystems in SAP EWM darin, dass keine Schnittstellen zu externen Systemen oder zusätzliche Lagersteuerrechner erforderlich sind, da SAP EWM direkt mit der Steuerebene kommuniziert.

Ein- oder ausgehende Handling Units (HUs) werden physisch auf Förderbändern oder automatisierten Fördertechnikanlagen bewegt. Sie passieren dabei verschiedene Meldepunkte, an denen sie identifiziert und zu weiteren Zielen weitergeleitet werden, wie z.B.:

  • Ein Hochregallager
  • Einen Kommissionierpunkt (falls nur eine Teilmenge einer HU geliefert werden soll)

Der physische Transport über Förderbänder wird von einer speicherprogrammierbaren Steuerung (SPS) gesteuert. Die SPS steuert auch die Kommunikation zwischen SAP EWM und dem MFS. Die SPS wertet die Signale aus der verbundenen Fördertechnik, der Förderbandanlage oder anderen Systemen aus und aktiviert oder deaktiviert die verbundenen Motoren, Geräte, Sensoren, Lesegeräte, usw.

Automatisierter Workflow für Hochregallager, der den Warenfluss von Ein-, Aus- und Ausgängen mit Gängen, Ein- und Auslagerungsmaschinen, Förderband und Transferwagensystem anzeigt.

Komponenten des Materialflusssystems (MFS)

Beim Einrichten eines Materialflusssystems (MFS) müssen Sie ein Lagerlayout für das MFS definieren. Das MFS erfordert die üblichen Lagerobjekte wie z.B.:

  • Lagertypen
  • Lagerplätze
  • Ressourcen (auch im Materialflusssystem befindet sich eine HU in einem Lagerplatz oder auf einer Ressource)

Neben diesen Anforderungen benötigt ein MFS zusätzliche Objekte. Der Punkt, an dem EWM und SPS miteinander kommunizieren, wird Meldepunkt genannt und ist einer SPS zugewiesen. Gängige Meldepunkte sind I-Punkte (Identifikationspunkt) oder Scanner-Punkte. Wenn eine HU an einem I-Punkt ankommt, wird sie gescannt und die SPS sendet eine Meldung mit den relevanten Informationen an SAP EWM. Diese Meldung wird Telegramm genannt.

SAP EWM startet basierend auf den Telegramminformationen die nächste Aktion (z.B. die Lagerplatzfindung), und SAP EWM sendet ein Telegramm an die SPS zurück, damit die HU zum nächsten Meldepunkt transportiert wird. Nach Eingang dieses Telegramms steuert die SPS das Materialflusssystem, damit die Handling Unit zum entsprechenden Ziel bewegt wird. Beim Eingang an diesem Meldepunkt wird die HU erneut identifiziert, und abhängig von der Meldepunktart wird das nächste Telegramm gesendet und die daraus resultierende Aktion angestoßen.

Stellen Sie bei der Konfiguration des MFS sicher, dass die Telegramme in der richtigen Reihenfolge gesendet werden. Dadurch soll eine Situation vermieden werden, in der das System z.B. versucht, Schritt 2 vor Schritt 1 auszuführen. Für jede SPS muss mindestens ein Kommunikationskanal definiert sein. Über diesen Kommunikationskanal erfolgt die Übertragung der Telegramme zwischen MFS und der SPS. Er steuert die Länge einer Meldung, die Zeit sowie die Anzahl der Wiederholungen und den so genannten Handshake-Modus (der angibt, ob und wie eine SPS den Eingang eines Telegramms bestätigt). Wenn ein Meldepunkt eine HU nicht identifizieren kann, sollte diese HU an einen Klärungsmeldepunkt übertragen werden, an dem ein Lagermitarbeiter das Problem lösen kann.

Diagramm zur Darstellung der Lagerautomatisierung: EWM kommuniziert mit SPS, die Regale, Fördersysteme und Transportwagen steuern, um einen effizienten Wareneingang, eine effiziente Lagerung und eine effiziente Auslagerung zu ermöglichen.

Bewegungen mit dem MFS

Der Abstand zwischen zwei Meldepunkten kann als Fördersegment (Förderelement) modelliert werden. Physisch werden die HUs über dieses Segment transportiert. Wie in den Einstellungen für Meldepunkte und Ressourcen können Sie pro Fördersegment die Kapazitätsgrenze definieren. Sie definieren beispielsweise die Anzahl der HUs, die zurzeit auf diesem Segment transportiert werden. Sobald die Kapazitätsgrenze überschritten wird, hält SAP EWM weitere Aufträge für dieses Element zurück. Für den Transport der HU von einem Meldepunkt zum nächsten sind u.U. Ressourcen erforderlich. Wenn für den Abstand zwischen den beiden Meldepunkten ein Regalbediengerät (für den Transport dieser HU) erforderlich ist, kann das Regalbediengerät als Ressource modelliert werden.

Für den Transport von HUs generiert SAP EWM Lageraufgaben und Lageraufträge und sendet diese in einer entsprechenden Queue. Im MFS wird jedem Lagerauftrag eine Lageraufgabe zugeordnet.

Einlagerung und Kommissionierung mit dem MFS

Überblick über die MFS-Zuständigkeiten: EWM übernimmt Routing und Ressourcenmanagement, während SPS Sensoren überwacht, Antriebe steuert, HUs verfolgt, Scanner liest und die HU-Konformität prüft.

Als Beispiel können Sie die layoutorientierte Lagerungssteuerung einrichten und die Anlieferungen wie folgt mit dem MFS verarbeiten:

  1. Eine Handling Unit geht ein, und der Wareneingang wird gebucht.
  2. SAP EWM ermittelt den Nachlagerplatz und legt die entsprechende Lageraufgabe und den Lagerauftrag an. Die layoutorientierte Lagerungssteuerung wird berücksichtigt und ersetzt den ermittelten Lagerplatz durch den ersten Meldepunkt.
  3. Die Handling Unit wird an den Meldepunkt (in diesem Fall der I-Punkt) bewegt.
  4. Am I-Punkt wird die Handling Unit gescannt, und das System ermittelt (erneut) den Nachlagerplatz.

Wie zuvor greift die layoutorientierte Lagerungssteuerung ein und legt fest, dass die HU an einen weiteren Meldepunkt transportiert wird. An diesem Meldepunkt muss die HU zu einem Verteilwagen transportiert werden, der die HU zum nächsten Meldepunkt bringt. Am letzten Meldepunkt legt die layoutorientierte Lagerungssteuerung fest, dass die HU an den Nachlagerplatz bewegt werden soll. Dafür ist ein Regalbediengerät erforderlich. Die Lageraufgabe für die Einlagerung wird erneut aktiviert und der entsprechenden Queue für das Regalbediengerät zugewiesen. Die HU wird zum Regalbediengerät gebracht und im Lagerplatz im Hochregallager eingelagert. Nach dem Bestätigen dieser Lageraufgabe ist der Prozess abgeschlossen.