Die Bearbeitung einer Benutzeranfrage im AS Java, wie in der folgenden Abbildung dargestellt, umfasst verschiedene Prozesse auf allen drei Schichten (Präsentations-, Anwendungs- und Datenbankschicht).
Die Standardbenutzeroberfläche für AS Java ist der Web-Browser. Eine Benutzeranfrage für AS Java ist in der Regel ein HTTP(S)-Request, der vom ICM entgegengenommen wird. Die Verarbeitungsanfragen werden vom ICM-Prozess an einen der Serverprozesse seines Applikationsservers weitergeleitet.
Im Serverprozess findet die eigentliche Verarbeitung statt, wobei der Benutzer, der die Anfrage gesendet hat, in der Regel den gleichen Serverprozess bei der nächsten Anfrage erneut zugewiesen bekommt.
Die Server-Prozesse des AS Java werden auch als Knoten bezeichnet. Alle Prozesse von AS Java bilden zusammen mit dem Datenbankschema den Java-Cluster. Im Gegensatz zu den Workprozessen von AS ABAP sind die Serverprozesse von AS Java multi-threaded. Das bedeutet, dass ein Serverprozess aus vielen Threads besteht und in jedem Thread eine Anfrage abgearbeitet werden kann. Ein Serverprozess kann also viele Benutzeranfragen parallel verarbeiten.
Zur Bearbeitung der Benutzeranfrage ist es oft notwendig, Daten aus dem Java-Schema der Datenbank zu lesen oder in dieses zu schreiben. Hierzu ist jeder Serverprozess über einen Verbindungspool (DB-Pool) mehrfach mit dem Java-Schema der Datenbank verbunden.
Am Ende der Verarbeitung gelangt das Verarbeitungsergebnis des Serverprozesses über den ICM an den Web-Browser zurück.
Die Puffer dienen zur schnelleren Bearbeitung der Benutzeranfragen. Auf diese Weise müssen diese Daten nicht immer wieder aus der Datenbank gelesen werden, sondern können sehr schnell aus den Puffern abgerufen werden. Jeder Serverprozess verfügt über einen eigenen Puffer.
Die Serverprozesse sind in verschiedene funktionale Module unterteilt, die als Manager und Services bezeichnet werden. Die Manager bilden die Java Enterprise Runtime. Die Java Enterprise Runtime stellt grundlegende Kernfunktionen von AS Java bereit. Alternativ werden diese als Kernel bezeichnet.
Zusammen mit Schnittstellen und Bibliotheken werden die Services als Java EE Engine Components bezeichnet. Die Java EE Engine Components stellen den Anwendungen Programmierschnittstellen (APIs) zur Verfügung, über die die Anwendungen auf Funktionen des AS Java zugreifen können.
Im Falle eines HTTP-Requests nutzt der ICM-Prozess einen Java EE Handler, um den Request an einen Serverprozess dieses Applikationsservers weiterzuleiteten.
Der Cluster Manager des Serverprozesses nimmt den Request entgegen und leitet ihn an den HTTP Provider Service weiter. Im Web Container Service wird dann die Präsentationslogik der Anwendung verarbeitet. Der Web Container Service stellt die Verarbeitung von Servlets und JavaServer Pages (JSP) zur Verfügung. Die betriebswirtschaftliche Ablauflogik der Anwendung wird in Form von EJB Beans im EJB Container Service verarbeitet. Falls bei der Beantwortung der Anfrage Daten aus der Datenbank benötigt werden, wird über den JDBC Connector Service eine Verbindung zur Datenbank hergestellt, und die Daten werden dort angefragt. Wurden die gleichen Tabelleninhalte bereits einmal von diesem Serverprozess abgefragt, kann der Inhalt im Tabellenpuffer auf Anwendungsebene abgefragt werden (falls für die Tabelle Pufferung erlaubt ist).
Über den gleichen Weg wird dann die Antwort an den Web-Browser über HTTP zurückgeliefert.