Materialbedarfsplanung durchführen

Objectives

After completing this lesson, you will be able to:
  • Den Materialbedarfsplanungsprozess skizzieren
  • Dispositionsverfahren und die Berechnung von Mengen und Terminen beschreiben
  • Die Bezugsquellenfindung in der Materialbedarfsplanung erläutern

Überblick über die Disposition

Einführung in die Materialbedarfsplanung

Der Beschaffungsprozess lässt sich durch die Automatisierung einzelner Schritte vereinfachen. Dies beginnt schon bei der Ermittlung des Bedarfs. Sie können Bestellanforderungen automatisch über die Disposition (Materialbedarfsplanung, MRP) erzeugen, anstatt sie manuell im System anzulegen. Dazu sind spezielle Konfigurationsaktivitäten sowie die Pflege von dispositionsrelevanten Materialstammdaten erforderlich.

Hinweis

SAP S/4HANA bietet zwei Möglichkeiten für die Durchführung der Materialbedarfsplanung: Neben dem klassischen MRP-Lauf bietet SAP S/4HANA auch einen neuen, für SAP HANA optimierten MRP-Lauf: MRP Live.

Die zentrale Funktion der Disposition ist die Sicherstellung der Materialverfügbarkeit, also die termingerechte Beschaffung der erforderlichen Bedarfsmengen für die Produktion und den Verkauf. Mithilfe der Materialbedarfsplanung werden Lagerbestände überwacht, Unterdeckungen ermittelt und automatisch Beschaffungsvorschläge für Einkauf und Produktion generiert.

Mögliche Beschaffungselemente der Bedarfsplanung sind Planaufträge, Bestellanforderungen und Lieferplaneinteilungen.

Für eigengefertigte Materialien legt das System Planaufträge an, um die Produktionsmengen zu planen. Nach Abschluss der Planung können die Planaufträge in Fertigungsaufträge umgesetzt werden.

Bei fremdbeschafften Materialien muss unterschieden werden zwischen MRP Live und dem klassischen Planungslauf:

  • MRP Live erzeugt für fremdbeschafftes Material mit gültigen Lieferplänen stets Lieferplaneinteilungen und für sonstiges fremdbeschafftes Material Bestellanforderungen.

  • Bei der klassischen Materialbedarfsplanung entscheiden Sie, ob das System einen Planauftrag oder direkt eine Bestellanforderung zur Planung der fremdbeschafften Menge anlegt. Planaufträge und Bestellanforderungen sind interne Planungselemente, die nahezu jederzeit geändert, umgeplant oder gelöscht werden können. Wird ein Planauftrag erzeugt, kann der Einkauf das Material erst bestellen, wenn der Disponent den Planauftrag überprüft und in eine Bestellanforderung umgesetzt hat. Eine Bestellanforderung steht dem Einkauf sofort zur Verfügung.

    Wenn für ein Material ein Lieferplan vorhanden ist, ist es auch möglich, Lieferplaneinteilungen direkt im Bedarfsplanungslauf zu generieren. Im Gegensatz zu Planaufträgen und Bestellanforderungen sind Lieferplaneinteilungen feste Elemente mit verbindlichem Charakter.

Diagramm zur Darstellung des Gesamtverfahren der Materialbedarfsplanung. Die Vorgehensweise wird im Text erläutert.

Planungsebene und Voraussetzungen

Die dispositionsrelevante Organisationsebene ist der Dispositionsbereich. Dispositionsbereiche können nur innerhalb eines Werks definiert werden, nicht werksübergreifend. Grundsätzlich wird zwischen drei Arten von Dispositionsbereichen unterschieden:

  • Werk: Das System legt für jedes Werk automatisch einen Werksdispositionsbereich an. Die Nummer eines Werksdispobereichs entspricht der Werksnummer. Wenn keine weiteren Dispositionsbereiche vorhanden sind, umfasst der Werksdispobereich das ganze Werk. Wenn Sie die Bedarfsplanung auf Werksebene durchführen, benötigen Sie keine weitere Konfiguration.

  • Lagerort: Dispositionsbereiche für Lagerorte bestehen aus einem oder mehreren Lagerorten innerhalb eines Werks. Wenn Sie Lagerorte innerhalb eines Werks separat disponieren möchten, müssen Sie die Dispositionsbereiche Ihren Anforderungen entsprechend konfigurieren.

  • Lohnbearbeiter: Lohnbearbeiter-Dispobereiche dienen der separaten Disposition des Beistellbedarfs für einen Lohnbearbeiter und werden durch die Zuordnung dieses Lohnbearbeiters definiert.

Notiz

In SAP ECC müssen Sie die Dispositionsbereiche im Customizing aktivieren. Entsprechend können Sie in SAP ECC mit oder ohne Dispositionsbereiche arbeiten. Wenn Sie in SAP ECC keine Dispositionsbereiche aktiviert haben, führen Sie die Disposition auf Werksebene durch (auch eine einfache Form der separaten Disposition für Lagerorte ist in SAP ECC möglich).

In SAP S/4HANA ist der Dispositionsbereich standardmäßig aktiv. Er kann nicht deaktiviert werden. Der Dispositionsbereich ist daher die einzige Planungsebene in SAP S/4HANA.

Dispositionsverfahren

Überblick über die Dispositionsverfahren

In dieser Lektion werden wichtige Unterschiede zwischen der verbrauchsgesteuerten und der plangesteuerten Disposition thematisiert. Der Schwerpunkt dieser Schulung liegt auf den Verfahren der verbrauchsgesteuerten Disposition, insbesondere auf der Bestellpunktdisposition.

Die Verfahren der verbrauchsgesteuerten Disposition basieren auf dem bisherigen Verbrauch des Materials. Externe Bedarfe, wie z.B. Kundenaufträge, Planprimärbedarfe und Reservierungen werden bei der verbrauchsgesteuerten Disposition nicht berücksichtigt.

Um jedoch sicherzustellen, dass Disponenten über alle erforderlichen Informationen verfügen, werden Kundenaufträge, Reservierungen usw. in den aktuellen Bedarfs- und Bestandslisten angezeigt.

Verbrauchsgesteuerte Dispositionsverfahren werden vorzugsweise in Bereichen ohne eigene Fertigung oder in Produktionsbetrieben für die Disposition der B- und C-Teile und der Hilfs- und Betriebsstoffe eingesetzt.

Bei der plangesteuerten Disposition werden externe Bedarfe wie z.B. Kundenaufträge direkt als Bedarfe eingeplant. Die plangesteuerte Disposition eignet sich für die Planung von Endprodukten und wichtigen Baugruppen sowie Komponenten.

Dispositionsverfahren der verbrauchsgesteuerten Disposition

Bestellpunktdisposition

Das System berechnet den Nettobedarf, indem es prüft, ob der auf Dispobereichsebene vorhandene Bestand (Summe aus verfügbarem Bestand und festen Zugängen) den Meldebestand unterschreitet.

Der Meldebestand wird für ein Material im Stammsatz festgelegt.

Bei Unterschreitung des Meldebestands muss die Beschaffung angestoßen werden.

Bei der Bestellpunktdisposition wird zwischen manueller und maschineller Bestellpunktdisposition unterschieden. Bei der manuellen Bestellpunktdisposition legt der Disponent den Meldebestand fest. Bei der maschinellen Bestellpunktdisposition wird der Meldebestand vom System automatisch mithilfe einer Prognose errechnet.

Stochastische Disposition

Das System berechnet den zukünftigen Bedarf mithilfe des Prognoseprogramms basierend auf Verbrauchswerten.

Rhythmische Disposition

Wie bei der stochastischen Disposition berechnet das System den zukünftigen Bedarf mithilfe des Prognoseprogramms basierend auf Verbrauchswerten. Bei diesem Verfahren erfolgt die Planung jedoch nur zu festen Zeiten in einem bestimmten Planungszyklus (rhythmische Planung).

Notiz

Das Dispositionsverfahren wird für jedes Material und Werk (bzw. für jeden Dispositionsbereich) im Materialstammsatz festgelegt. Das heißt, ein Material kann in verschiedenen Werken oder Dispositionsbereichen mit unterschiedlichen Dispositionsverfahren geplant werden.

Nettobedarfsrechnung und Losgrößenberechnung am Beispiel der Bestellpunktdisposition

Einführung in die Bestellpunktdisposition

Während des Planungslaufs führt das System die Nettobedarfsrechnung durch.

Nettobedarfsrechnung bei Bestellpunktdisposition

Statische Losgrößenverfahren

Die Beschaffungsmenge ergibt sich aus dem im Materialstammsatz hinterlegten Losgrößenverfahren.

Es wird zwischen drei Gruppen von Losgrößenverfahren unterschieden:

  • Statische Losgrößenverfahren

  • Periodischer

  • Optimierende Losgrößenverfahren

Balkendiagramme mit exakter Losgröße, fester Losgröße und Auffüllen bis zum Höchstbestand. Weitere Details finden Sie im folgenden Text.

In dieser Lektion werden nur die statischen Losgrößenverfahren erörtert.

Bei den statischen Losgrößenverfahren werden zukünftige Unterdeckungen nicht berücksichtigt, das heißt, bei einer Unterdeckung wird ein Bestellvorschlag in Höhe der statischen Losgröße erzeugt, ohne zu prüfen, wann eine zukünftige Unterdeckung auftritt.

Für die exakte Losgröße wird ein Bestellvorschlag in Höhe der Unterdeckung erzeugt. Wenn es an einem Tag mehrere Abgänge gibt, die zur Unterdeckung führen, so wird trotzdem nur ein Bestellvorschlag in Höhe der Unterdeckungsmenge zu diesem Termin erzeugt.

Bei einer festen Losgröße wird bei Unterdeckung ein Bestellvorschlag in Höhe der festen Losgröße erzeugt. Wenn dies nicht ausreicht, um die Bedarfe zu decken, erzeugt das System mehrere Bestellvorschläge zum gleichen Termin.

Beim Auffüllen bis zum Höchstbestand erzeugt das System bei Unterdeckung einen Bestellvorschlag in der Höhe, die erforderlich ist, um den im Materialstammsatz festgelegten Höchstbestand zu decken.

Vorwärtsterminierung bei der Bestellpunktdisposition

Terminierung bei Bestellpunktdisposition

Nach der Nettobedarfsrechnung und der Losgrößenberechnung terminiert das System während des Planungslaufs den Beschaffungsvorschlag.

Es berechnet den Termin, an dem die Bestellung versendet werden muss, den Termin, an dem der Lieferant die bestellte Menge zu liefern hat sowie das Datum, an dem die Menge verfügbar sein wird.

Ausgehend vom Erstelldatum einer Bestellanforderung wird das Verfügbarkeitsdatum des Materials vom System unter Berücksichtigung folgender Zeitkomponenten berechnet: Bearbeitungszeit des Einkaufs, Planlieferzeit und Wareneingangsbearbeitungszeit.

Dispositionsdaten im Materialstammsatz

Materialstammsatz pflegen

In dieser Lektion erhalten Sie auch einen Überblick über wichtige Dispositionsdaten im Materialstammsatz.

Es gibt folgende Arten von Dispositionsdaten im Materialstammsatz:

  • Allgemeine Daten, die Sie für ein zu disponierendes Material definieren können oder müssen (z.B. Disponent).

  • Daten, die vom Dispositionsverfahren abhängig sind

  • Daten, die zur Losgrößenberechnung benötigt werden

Diagramm mit Dispositionsdaten im Materialstammsatz. Die Daten werden unter „Disposition“, „Prognose“ und „Einkauf“ aufgeführt. Dispositionsdaten: Dispositionsmerkmal, Planlieferzeit/Eigenfertigungszeit, Losgrößenkennzeichen, Disponent, Horizontschlüssel. Prognosedaten: Verbrauchsdaten, Prognosedaten. Einkaufsdaten: Einkäufergruppe. Wareneingangsbearbeitungszeit.

Materialstamm: Dispositionsdaten auf Werksebene

Auf der Registerkarte Disposition 2 im Materialstammsatz pflegen Sie unter anderem folgende Daten:

  • Die Beschaffungsart, die steuert, ob ein Material in einem bestimmten Werk eigengefertigt oder fremdbeschafft wird.

  • Ein Kennzeichen für die Sonderbeschaffung, wenn Sie die Beschaffungsart genauer festlegen möchten. Wenn Sie z.B. ein Material fremdbeschaffen, können Sie die Sonderbeschaffungsart Konsignation oder Lohnbearbeitung wählen.

  • Die Wareneingangsbearbeitungszeit

  • Die Planlieferzeit (Feld „Geplante Auslieferungszeit")

    Notiz

    Die lieferantenspezifische Planlieferzeit für ein Material kann im Einkaufsinfosatz und/oder in einem Kontrakt gepflegt werden.
  • Den Sicherheitsbestand

Dispositionsrelevante Daten werden im Materialstammsatz auf Werksebene hinterlegt. Diese Daten gelten für den Standarddispobereich, der dem Werk entspricht.

Wenn Sie auch mit Lagerort-Dispobereichen oder mit Lohnbearbeiter-Dispobereichen arbeiten, können Sie auch auf diesen Ebenen bestimmte Materialstammdaten pflegen. Dispobereichsspezifische Planungsdaten übersteuern die Planungsparameter auf Werksebene.

Screenshot „Material ändern“ mit der Option „Dispobereich anlegen“. Die Registerkarte „Disposition 1“ ist ausgewählt.

Notiz

Die Standardmethode für die Planung der Bestellkomponenten für Lohnbearbeiter basiert auf Dispositionsbereichen. Für jeden Lohnbearbeiter muss ein eigener Lohnbearbeiter-Dispobereich angelegt werden. Es ist jedoch nicht obligatorisch, für jedes Material, das dem Lohnbearbeiter beigestellt werden muss, dispobereichsspezifische Materialdaten zu pflegen.

Die Materialbedarfsplanung in SAP S/4HANA verwendet Standardplanungsparameter auf Werksebene, wenn keine dispobereichsspezifischen Materialdaten vorhanden sind.

Materialstammsatz — Dispositionsdaten anlegen

Automatische Bezugsquellenfindung in der Materialbedarfsplanung

Einführung in die Bezugsquellenfindung in der Materialbedarfsplanung

Im Beschaffungsprozess können Sie verschiedene Schritte automatisieren. Dies beginnt bereits mit der Ermittlung des Materialbedarfs über die Materialbedarfsplanung. Um den Beschaffungsprozess zu vereinfachen, können Sie dann die Funktion für die automatische Umwandlung von Bestellanforderungen in Bestellungen verwenden. Damit das System eine Bestellanforderungsposition automatisch in eine Bestellposition umsetzen kann, muss das System eindeutig ermitteln können, von welchem Lieferanten und zu welchem Preis das Material beschafft werden soll.

Während des Planungslaufs berechnet das System die zu beschaffenden Mengen (Bedarfsmenge/Losgröße) und die Liefertermine. Bei der Bezugsquellenfindung in der Materialbedarfsplanung wird außerdem versucht, Bestellanforderungspositionen eine Bezugsquelle zuzuordnen.

Übersicht über Bezugsquellen

Für fremdbeschafftes Lagermaterial (Beschaffungsart F im Materialstammsatz) gibt es folgende Bezugsquellen:

  • Einkaufsinformationssatz:

    Der Einkaufsinformationssatz, der kurz als Infosatz bezeichnet wird, gehört zu den Stammdaten des Einkaufs.

    Er enthält Daten zur Beziehung zwischen einem Material oder einer Warengruppe und einem Lieferanten, wie z.B. Preis, Lieferzeit, Sondervereinbarungen usw. Die Infosatzdaten werden auf Einkaufsorganisationsebene oder auf Einkaufsorganisations-/Werksebene gepflegt. Die im Infosatz enthaltenen Konditionen werden neben anderen im Infosatz enthaltenen Daten als Vorschlagswerte in Einkaufsbelegen wie z.B. Bestellungen verwendet.

  • Rahmenvertragsposition:

    Ein Rahmenvertrag ist eine langfristige Vereinbarung zwischen einer Einkaufsorganisation und einem Lieferanten über die Lieferung von Materialien oder die Erbringung von Dienstleistungen zu festgelegten Konditionen. Diese gelten für einen vorgegebenen Zeitraum und eine vereinbarte Gesamtabnahmemenge oder einen bestimmten Gesamtabnahmewert. Es gibt zwei Arten von Rahmenverträgen: Kontrakt und Lieferplan.

  • Werk:

    Eine Fremdbeschaffung kann auch durch eine Umlagerung aus einem anderen Werk erfolgen. In diesem Fall müssen Sie keine speziellen Daten im Einkauf pflegen, da normalerweise eine interne Verrechnung stattfindet. Es ist aber auch möglich, Werke als Lieferanten anzulegen. Dazu muss bei der Pflege des Geschäftspartners (weitere allgemeine Daten) eine Werkszuordnung eingegeben werden.

Bezugsquellenfindung

Die Materialbedarfsplanung ermittelt Materialunterdeckungen, dann Losgrößen und im Anschluss daran Bezugsquellen. Nach der Losgrößenberechnung sind die geplanten Materialzugänge mit Bedarfstermin und -menge bekannt. Die Bezugsquellenfindung bestimmt dann, ob die Bedarfsmenge produziert oder extern beschafft wird, und für den Fall der Fremdbeschaffung, von welchem Lieferanten beschafft werden soll.

Diagramm zur Darstellung der Möglichkeiten der Bezugsquellenfindung. Details finden Sie im folgenden Text.

Materialbedarfsplanung mit automatischer Bezugsquellenfindung ausführen